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 Ein Leben unter Feinden 
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Registriert: Sa 9. Feb 2008, 15:32
Beiträge: 28
Wohnort: Duisburg
Beitrag Ein Leben unter Feinden
Sanft streicht der laue Abendwind durch das lange Haar der jungen Frau, lässt es wie frische Flocken reinsten Schnees in der Luft tanzen. Blutrote, mandelförmige Augen blicken halbgeschlossen zu den funkelnden Sternen auf, während sich die bleiche Scheibe des Mondes langsam am Horizont herauf schiebt. Ihre Haut ist so schwarz wie die Nacht, und spitze Ohren stechen durch das im Mondlicht silbern schimmmernde, Haar. Eine Weile verharrt sie völlig still, ehe sie sich langsam herumdreht, was ihr ebenfalls weißes Kleid leise rascheln lässt.
"Sie werden uns finden, früher oder später. Eines Tages werden sie uns folgen, und dann..."
"Shhh... sag so etwas nicht..." Sanft legt ein junger Elf ihr den ausgestreckten Zeigefinger auf die fein geschwungenen Lippen. Seine Wangen schimmern rosig, das Haar hat die Farbe von flüssigem Gold. Fliederfarbene Augen blicken die junge Dunkelelfe liebevoll an. Auch sein Gesicht hat die unverkennbaren Merkmale eines Elfen.
"Unsere Völker mögen sich hassen, und sie haben ihre Gründe dazu, aber gegen unsere Liebe werden sie Niemals etwas ausrichten können..." Mit einem zuversichtlichen Lächeln streicht er seiner Liebsten durchs Haar.
"Oh Jelindraél... wie sehr ich mir wünsche, dass du Rech hast..." Hoffnungsvoll sind ihre Blicke, als sie nach seinen Händen fasst, diese zärtlich umschließend.
"Du wirst sehen, Joelle..." haucht er leise, ehe ihre Lippen sich zu einem sanften Kuss vereinen.

Wie so oft verbringen sie die Nacht miteinander, an einem Ort, jenseits der Grenze ihrer Reiche, die seit Jahrhunderten im erbitterten Krieg liegen. Ein Ort, den nur die Beiden kennen, weitab vom Schmerz und Tod, den die ewigen Kämpfe mit sich bringen. Er, ein stolzer Elf, und sie, eine wunderhübsche Dunkle, eigentlich dazu bestimmt, sich abgrundtief zu hassen. Die Stunden vergehen wie im Fluge, und bald schon deutet ein erster, purpurner Streifen am Horizont die nahende Morgendämmerung an.

"Ich werde... eine Weile nicht kommen können..." spricht Joelle schließlich wehmütig, wobei ihre Augen sich mit Tränen füllen. "Sie ahnen es, Jelindraél, sie ahnen, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich... muss sehen, dass eine Weile vergeht, ehe ich mich erneut herwage..."
"Ich werde auf dich warten, Liebste. Und wenn Jahrhunderte ins Land gehen mögen. Was auch immer passiert, ich werde immer an deiner Seite sein." Sachte legt er die Hand an ihre Wange, streichelt einem Windhauch gleich über ihre weiche Haut, ehe er sich nach vorne beugt, um sie zu Abschied zu küssen. Joelle lächelt traurig, doch noch bevor ihre Lippen sich berühren mögen, schreckt sie zurück, die Augen weit aufgerissen.
"Sie sind hier..." flüstert sie mit schwacher Stimme, dann erblickt auch Jelindraél, was sie gesehen haben muss. Von beiden Seiten nähern sich dunkle Schatten.
Schnell springt er auf, zieht sein Schwert, doch es ist bereits zu spät.

"Eine Schande für unsere Völker...!" ist das letzte, was die beiden hören, dann ein kurzer Schmerz, als sie je ein Pfeil des Feindes trifft. Was weiter geschieht, können sie später nicht mehr sagen, doch der Elf wird von den Dunklen mitgenommen, sowie sie von den Elfen.

Wochen vergehen, Zeiten der einsamen Tage und Nächte in den Kerkern der Feinde. Tage der Verzweiflung, und Nächte der endlosen Gebete.

"Oh ihr Götter, könnte ich doch nur zu ihnen gehören... könnte ich doch nur eine Elfe sein, so stünde unserer Liebe nichts mehr im Wege. Mein Leben gäbe ich, für nur einen Tag, den ich so mit ihm verbringen dürfte..." Jede Nacht fließen diese Worte stumm über die Lippen Joelles, jedes Mal in der Hoffnung, man möge sie erhöhren.

"Oh ihr Götter, könnte ich nur zu ihnen gehören... könnte ich doch nur ein Dunkler sein, so wären wir auf Ewig vereint. Mein Leben gäbe ich, für nur einen Tag, den ich so mit ihr verbringen dürfte..." Auch Jelindraél hofft in jeder seiner einsamen Nächte darauf, dass seine Gebete erhört werden mögen.

Eine lange Zeit bleibt den Beiden nichts, als Erinnerungen. Erinnerungen an schönere Zeiten, da sie sich nahe waren im Mondenschein. Bis eines Tages ein böser Feengeist ihre Gebete erhörte.

***

"Eine Elfe wollt ihr sein, mit Haut wie Alabaster, Haar wie Gold, und Augen wie tiefen Seen, auf daß euer Liebster in ihnen ertrinken wollte...?" spricht eine körperlose Stimme eines Nachts aus dem Dunkel des Kerkers zu Joelle.
"Mein Leben gäbe ich, für nur einen Tag..." antwortet sie unter Tränen.
"Nun, ich kann euch helfen, oh holde Schöne..." Mit einem Male zeigt sich das kleine Wesen nahe ihrem Gesicht.
"Was wünscht ihr dafür, kleine Fee?" will sie flehentlich wissen.
"Oh nichts, rein garnichts, ich hörte Eure Gebete, und sie gingen mir ans Herz..."
"So bitte, erfüllt mir meinen Wunsch, und ich will euch ewig dankbar sein, kleine Fee."
Hoffnungsvoll der Blick in den roten Augen der Dunklen, ehe der Zauberstab der Fee sie nahezu sanft berührt.
Die dunkle Haut wird heller, bis sie die Farbe von cremiger Milch annimmt, die Wangen rosig, wie die eines frischen Apfels, die roten Augen werden violett, dann wasserblau, und das weiße Haar färbt sich gelblich, bis es die Farbe von flüssigem Honig annimmt.
"Bald schon werdet ihr euren Liebsten wieder sehen, ihr werdet ihm endlich gegenüberstehen." verkündet das kleine Feenwesen mit einem leisen Lachen, dass für Jeden in diesem Moment vorahnungsvoll geklungen hätte, und von einem eisigen Schauer begleitet gewesen wäre, so aber nicht für Joelle. Überglücklich dankt sie dem Wesen, welches kichernd wieder verschwindet.

"Ein Dunkler wollt ihr sein, mit Haut wie Ebenholz, Haar wie frischem Schnee, und Augen wie Rubinen, auf dass Eure Liebste euch ewig verehren möge?" Hört Jelindraél bald darauf die Selbe Stimme.
"Meine Seele gäb ich, könntet ihr mir nur helfen..." wispert er leise.
"Ich kann Euch helfen, stolzer Elf..." Auch ihm zeigt sich die falsche Fee nun deutlich.
"Was wünscht ihr dafür, kleine Fee?" spricht er hoffnungsvoll zu ihr.
"Oh nichts, garnichts. Ich hörte Euer Flehen, und es ging mir so nahe."
"So erfüllt mir meinen Wunsch, und ich will euch des Dankes niemals vergessen!" Stille Hoffnung liegt in den fliederfarbenen Augen des Elfen, als auch ihn der Zauberstab des kleinen Feengeistes berührt.
Die helle Haut bekommt Schatten, wird dunkler und dunkler, bis sie eldem Ebenholz gleicht, die fliederfarbenen Augen füllen sich mit Blut, bis sie die Farbe funkelnder Rubine annehmen, und das einst goldblonde Haar wird immer blasser, bis es so weiß erscheint, wie die Federn eines Engels.
"Bald schon werdet ihr eure Liebste wieder sehen, ihr werdet ihm endlich gegenüberstehen." verlautet auch ihm das kleine Feenwesen mit einem leisen Lachen, in dem auch Jelindraél nicht das Grauen erkannte, dass es bedeutete. Er dankt dem Wesen voller Glück, welches grinsend wieder ins Freie entkommt.

***

Am nächsten Tage dann, da sich Elfen und Dunkle gewahr wurden, dass sie Angehörige ihres eigenen Volkes gefangen hielten, und garnicht mehr so recht wissen, weshalb lässt man sie laufen.
Der Tag vergeht, voller Glück sucht Joelle ihren Liebsten unter den Elfen, und Jelindraél tut es ihr unter den Dunklen gleich. Doch sie können einander nicht finden. Voller Hoffnung warten sie, dass die Dämmerung sich übers Land legt, und die Nacht einläutet.
Als der Mond sich bereits blass am Horizont abmalt, machen sie sich auf, zu dem Ort, an welchem sie sich immer heimlich trafen, jeder in der festen Erwartung, Seinesgleichen dort vorzufinden. Und wieder hörten sie das hämische Lachen nicht, denn der Feengeist kommt ihnen zuvor. Aus einem sicheren versteck betrachtet er die Zwei, wie sie sich ungläubig in die Augen schauen, in denen nun der Schmerz der Hoffnung weicht. Alles war verloren, nichts hatte sich geändert.
Doch es sollt noch schlimmer kommen. Denn wieder ist man ihnen gefolgt. Vor den Augen Jelindraéls durchbohrt sie ein Schwert der Dunklen. Derer, denen sie einst selbst angehörte. Bitterer Schmerz durchfährt ihn, und blinder Hass, doch bleibt ihm nichts Anderes, als seinen Feinden zu folgen, dorthin, wo von nun an sein Zu Hause sein sollte.

Und in jeder Nacht, in der er ruhelos zu ihrem Versteck zurückfindet, sollte er das grausame Lachen des Feengeistes vernehmen, und auf ein Neues den bitteren Schmerz erfahren, der ihm ein Leben unter Feinden brachte, und ihn allmählich zu einem von ihnen werden ließ...

_________________
ORACLE: ~Daeron~ lvl 45 EP (Elamshin) / ☆Daeron☆ lvl 12 WR (Elamshin)
Bild
~First PW Clan on X-Fire~


Mi 27. Feb 2008, 23:50
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